CX-Kompass

Welche Rolle spielen virtuelle Events im B2B-Sales-Cycle?

Geschrieben von Rainer Kolm | Jan 23, 2026 6:37:30 AM

Der B2B-Vertrieb hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Kaufentscheidungen werden heute überwiegend digital vorbereitet, Entscheidungsprozesse sind komplexer geworden und mehrere Stakeholder sind häufig über verschiedene Standorte verteilt. In diesem Umfeld haben sich virtuelle Events – etwa Webinare, Online-Demos, digitale Workshops oder virtuelle Konferenzen – von einer Übergangslösung zu einem strategischen Instrument im B2B-Sales entwickelt.

Virtuelle Events ersetzen den persönlichen Kontakt dabei nicht. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, persönliche Interaktionen gezielt vorzubereiten, zu ergänzen und wirkungsvoller zu machen. Um ihren Mehrwert zu verstehen, lohnt sich ein Blick entlang des gesamten B2B-Sales-Cycles.

Virtuelle Events entlang der 7 Phasen des B2B-Sales-Cycles

Um den strategischen Wert virtueller Events richtig einzuordnen, lohnt sich eine Betrachtung entlang der klassischen 7 Phasen des B2B-Sales-Cycles. In jeder Phase übernehmen virtuelle Formate eine klar definierte Funktion und entfalten ihren Nutzen insbesondere im Zusammenspiel mit persönlichen Kontakten.

1. Prospecting & Lead Identification

Am Anfang des Sales-Cycles steht die Identifikation potenzieller Kunden. Virtuelle Events ermöglichen es, relevante Zielgruppen effizient zu erreichen, ohne dass bereits ein konkreter Kaufwille vorhanden sein muss.

Öffentliche Webinare, digitale Fachvorträge oder virtuelle Konferenzen wirken hier als Magnet für potenzielle Interessenten. Sie machen bislang unbekannte Kontakte sichtbar und liefern erste Datenpunkte zu Branche, Rolle und thematischem Interesse. Virtuelle Events ersetzen in dieser Phase keine Vertriebsaktivitäten, sondern schaffen überhaupt erst die Grundlage für qualifiziertes Prospecting.

2. Qualification

Nicht jeder Kontakt ist ein valider Sales-Lead. In der Qualifizierungsphase helfen virtuelle Events dabei, echtes Interesse von reinem Informationsbedarf zu trennen.

Teilnahmeintensität, Fragen, Interaktionen oder das Verhalten nach dem Event liefern wertvolle Signale zur Einordnung von Leads. Vertiefende Webinare oder themenspezifische Sessions ermöglichen es, den Bedarf weiter zu konkretisieren, bevor ein persönlicher Kontakt aufgebaut wird. Virtuelle Events übernehmen hier eine Filterfunktion und sorgen dafür, dass Vertriebsressourcen gezielt eingesetzt werden.

3. Needs Analysis

In der Phase der Bedarfsanalyse geht es darum, die Herausforderungen, Ziele und Rahmenbedingungen des potenziellen Kunden zu verstehen. Virtuelle Workshops, moderierte Q&A-Sessions oder interaktive Demos bieten hierfür einen effizienten Rahmen.

Mehrere Stakeholder können gleichzeitig eingebunden werden, ohne organisatorischen Mehraufwand. Erste Hypothesen zu Anforderungen lassen sich gemeinsam validieren. Virtuelle Formate bereiten persönliche Gespräche in dieser Phase inhaltlich vor oder ersetzen sie dort, wo Geschwindigkeit und Flexibilität entscheidend sind.

4. Solution Presentation

Sobald der Bedarf klarer definiert ist, rückt die Präsentation der Lösung in den Fokus. Virtuelle Events eignen sich hervorragend, um komplexe Lösungen strukturiert und zielgruppenspezifisch darzustellen.

Online-Demos, Use-Case-Präsentationen oder Referenzsessions mit Bestandskunden schaffen Transparenz und Vergleichbarkeit. Der große Vorteil liegt darin, dass alle relevanten Stakeholder gleichzeitig erreicht werden können. Persönliche Termine werden dadurch nicht überflüssig, aber deutlich substanzreicher.

5. Evaluation & Validation

In der Evaluierungsphase prüfen potenzielle Kunden, ob die Lösung fachlich, wirtschaftlich und organisatorisch passt. Virtuelle Events unterstützen diesen Prozess durch vertiefende Formate wie Anbietervergleiche, technische Deep Dives oder Executive Briefings.

Offene Fragen lassen sich schnell klären, Entscheidungsgrundlagen gemeinsam erarbeiten. Virtuelle Formate reduzieren hier Reibungsverluste und verkürzen Entscheidungszyklen, bevor finale persönliche Gespräche stattfinden.

6. Negotiation & Closing

Spätestens in der Verhandlungs- und Abschlussphase gewinnt der persönliche Kontakt eine zentrale Bedeutung. Vertrauen, Beziehung und individuelle Vereinbarungen stehen im Vordergrund.

Virtuelle Meetings bleiben dennoch relevant, etwa zur Abstimmung mit verteilten Entscheidern oder zur finalen Klärung einzelner Punkte. Sie ergänzen persönliche Termine und sorgen dafür, dass der Abschluss effizient vorbereitet und umgesetzt wird.

7. Onboarding, Retention & Expansion

Der Sales-Cycle endet nicht mit der Unterschrift. In der letzten Phase geht es um erfolgreiche Implementierung, langfristige Bindung und den Ausbau der Kundenbeziehung.

Virtuelle Onboarding-Sessions, Kunden-Webinare oder Community-Events schaffen kontinuierliche Touchpoints. Sie fördern die Nutzung der Lösung, stärken die Beziehung und machen Potenziale für Upselling oder Cross-Selling frühzeitig sichtbar.

Virtuelle Events als Ergänzung zum persönlichen Kontakt

Über alle sieben Phasen hinweg zeigt sich ein klares Muster: Virtuelle Events ersetzen den persönlichen Kontakt nicht, sondern strukturieren und verstärken ihn.

Virtuelle Events sind kein Ersatz für persönliche Beziehungen – sie wirken als deren Verstärker. Das zugrunde liegende Prinzip lässt sich einfach zusammenfassen: digital, wo es effizient ist, persönlich dort, wo es entscheidend wird.

Virtuelle Events bereiten persönliche Termine inhaltlich vor, indem sie Wissen aufbauen und Erwartungen klären. Sie machen Gespräche effizienter, weil alle Beteiligten bereits ein gemeinsames Verständnis haben. Gleichzeitig verlängern sie persönliche Kontakte durch Follow-up-Sessions und zusätzliche digitale Touchpoints. Für Vertriebsteams bedeutet das eine deutlich höhere Reichweite bei gleichzeitig besserer Qualität der persönlichen Gespräche.

Ein typischer integrierter Ablauf beginnt mit einem virtuellen Event zur Problembewusstseinsbildung, führt über eine digitale Demo oder Q&A-Session zur Lösungsbewertung und mündet in einen persönlichen Workshop oder Termin zur Entscheidungsfindung. Nach dem Abschluss sorgen virtuelle Kunden-Events für Bindung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Beziehung.

Erfolgsfaktoren für virtuelle Events im B2B-Sales

Damit virtuelle Events ihren vollen Beitrag zum Vertriebserfolg leisten, müssen sie klar in die Sales- und Marketing-Strategie eingebettet sein. Entscheidend ist eine enge Verzahnung von Marketing und Vertrieb, eine saubere Zuordnung der Formate zu den jeweiligen Sales-Phasen sowie die konsequente Nutzung von Engagement-Daten aus den Events.

Darüber hinaus sind interaktive Formate wichtiger als reine Präsentationen. Fragen, Diskussionen und konkrete Anwendungsbeispiele erhöhen nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern liefern auch wertvolle Signale für das persönliche Follow-up.