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Fünf Fehler bei der Planung des Einsatzes von Agentic AI im Customer Service
Rainer Kolm2 Minuten Lesezeit

Fünf Fehler bei der Planung des Einsatzes von Agentic AI im Customer Service

Fünf Fehler bei der Planung des Einsatzes von Agentic AI im Customer Service
4:15

Agentic AI im Customer Service richtig planen

Agentic AI gilt als nächster Entwicklungsschritt im Kundenservice. Anders als klassische Chatbots oder regelbasierte Automatisierung kann sie Kontext erkennen, Entscheidungen treffen und Aufgaben eigenständig ausführen. Genau deshalb ist die Planung so wichtig: Wer Agentic AI wie ein normales Automationsprojekt behandelt, riskiert Fehlentscheidungen, schlechte Customer Experience und unnötige Komplexität.

Für Führungskräfte im Customer Service geht es nicht nur um Technologie, sondern um Prozessreife, Datenqualität, Governance und Change Management. Die folgenden fünf Fehler gehören zu den häufigsten Stolpersteinen bei der Einführung.

Fehler 1: Agentic AI wie einen Chatbot zu behandeln

Ein zentraler Planungsfehler ist die Annahme, Agentic AI sei nur eine „bessere Form des Chatbots“. Tatsächlich geht es um Systeme, die nicht nur antworten, sondern aktiv handeln und Prozesse anstoßen können. Damit steigen die Anforderungen an Berechtigungen, Kontrollmechanismen und Eskalationslogik erheblich.

Wer diese Unterschiede ignoriert, plant zu klein und zu simpel. Dann entstehen Lösungen, die im Pilot gut aussehen, im Livebetrieb aber an Komplexität, Sonderfällen und Sicherheitsanforderungen scheitern.

Fehler 2: Die Datenbasis zu unterschätzen

Agentic AI braucht verlässliche Daten, aktuelle Wissensquellen und saubere Systemzugriffe. Wenn CRM-, Ticketing- oder Wissensdaten nicht konsistent sind, arbeitet der Agent mit Lücken oder veralteten Informationen. Das führt zu falschen Antworten, unnötigen Eskalationen und Vertrauensverlust bei Kunden und Mitarbeitenden.

Deshalb sollte vor dem Einsatz geprüft werden, ob Prozesse dokumentiert, Daten bereinigt und Systeme integriert sind. Ohne diese Grundlage wird aus Agentic AI schnell ein teures Experiment statt eines produktiven Service-Tools.

Fehler 3: Zu komplex zu starten

Viele Unternehmen wollen zu Beginn zu viel. Statt mit klar abgegrenzten Use Cases zu starten, soll der Agent möglichst viele Anfragen gleichzeitig lösen. Das führt zu langen Entscheidungswegen, vielen Ausnahmefällen und einer hohen Fehleranfälligkeit.

Besser ist ein fokussierter Einstieg mit wenigen, standardisierten Servicefällen, etwa Statusanfragen, Rücksendungen oder einfache Informationsprozesse. So lässt sich die Wirkung sauber messen und das System kontrolliert weiterentwickeln.

Fehler 4: Verantwortung und Governance offenlassen

Agentic AI berührt mehrere Bereiche gleichzeitig: Customer Service, IT, Datenschutz, Compliance und oft auch Operations. Wenn in der Planung nicht klar geregelt ist, wer Entscheidungen trifft, wer Risiken bewertet und wer die Lösung freigibt, entstehen Reibungsverluste. Besonders bei autonomen Systemen ist das gefährlich, weil kleine Fehler schnell operative oder rechtliche Folgen haben können.

Erfolgreiche Projekte arbeiten deshalb mit klaren Governance-Strukturen. Dazu gehören definierte Freigabeprozesse, dokumentierte Eskalationspfade und messbare Qualitätskriterien.

Fehler 5: Menschen und Change Management zu spät einplanen

Ein häufiger Irrtum ist, dass sich die Einführung von Agentic AI vor allem technisch lösen lasse. In der Praxis verändert sie aber Rollen, Arbeitsweisen und Verantwortlichkeiten im Service erheblich. Wenn Teams erst kurz vor dem Go-live eingebunden werden, entstehen Widerstand, Unsicherheit und Ablehnung.

Darum braucht jede Einführung ein begleitendes Change Management. Mitarbeitende müssen verstehen, welche Aufgaben die KI übernimmt, wo Menschen eingreifen und wie sich ihre Rolle verändert. Nur dann wird Agentic AI als Entlastung wahrgenommen und nicht als Bedrohung.

So gelingt die Planung

Wer Agentic AI im Customer Service erfolgreich einsetzen will, sollte mit fünf Leitfragen planen: Welcher Use Case bringt messbaren Nutzen? Sind Daten und Systeme bereit? Welche Aufgaben darf der Agent autonom übernehmen? Wie wird Qualität kontrolliert? Und wie werden Teams und Governance eingebunden? Diese Fragen schaffen die Grundlage für einen skalierbaren Einsatz statt eines isolierten Piloten

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Rainer Kolm

… arbeitete als Bereichsleiter und Geschäftsführer in unterschiedlichen Branchen wie dem Handel, dem Tourismus, der Telekommunikation und in der Beratung. Seit 2010 ist Rainer Kolm Inhaber des Instituts für Customer Experience Management (i-CEM) und berät Unternehmen und Institutionen in den Themen Kundenservice und Customer Experience Management

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